Ein Blick zurück auf vier spannende Tage

"Mit Martin auf Entdeckertour"

Von allen Seiten strömten Kinder aus Dätzingen und Döffingen ans Gemeindehaus und wurden herzlich begrüßt. Mit Martin sollte es in den nächsten Tagen auf Entdeckertour gehen. Natürlich war allen längst klar, dass Martin Luther gemeint war. Umso größer die Überraschung, als plötzlich Isa auftauchte − komplett ausgerüstet mit Helm, Stirnlampe, Seil und Gummistiefeln. In dieser Entdeckerausrüstung wollte sie gleich die erste Höhle erkunden. Enttäuscht musste sie feststellen, dass es gar nicht auf Höhlentour ging. Obwohl! Bei ihrer letzten Höhlentour hatte sie unheimlich Angst, da kam es ihr eigentlich ganz gelegen noch jemanden kennen zu lernen, der richtig Angst hatte.

Martin Luther glaubte lange, dass er es Gott niemals recht machen könnte, dass Gott die Sünden der Menschen hart bestrafen würde. Wie konnte er einer Strafe entgehen? Als er als junger Mann in ein Gewitter geriet, glaubte er, Gott gnädig stimmen zu müssen und schwor, Mönch zu werden. Doch selbst im Kloster entdeckte Martin nur immer mehr Sünden an sich: Er war manchmal neidisch oder böse auf andere Mönche, gelangweilt in Gottesdiensten. Und immer noch empfand er eine riesige Angst vor Gott.

Auch Martin Luther dachte sich sicher einmal: "Wie praktisch es doch wäre, wenn man sich von seinen Sünden lösen könnte, sich freikaufen könnte." Da kamen die Ablassverkäufer gerade recht. Sie boten Papiere an, mit denen man seine eigene Seele oder die von Verwandten aus dem Fegefeuer erlösen können sollte − gegen eine geringe Gebühr, versteht sich. Doch Martin war nicht glücklich darüber. So einfach konnte man sich doch die Vergebung nicht verdienen, oder? In der Bibel entdeckte er eine Antwort: Gott vergibt selbst den größten Sündern - aber allein aus Gnade, die man weder verdienen, noch erkaufen kann. Martin machte seine Entdeckung bekannt, schlug seine Thesen an die Kirchentüre an, damit alle sie lesen können sollten.

Der Papst und die Bischöfe waren darüber nicht glücklich, brachten die Ablassbriefe doch gutes Geld ein. Doch Martin lies sich nicht beirren und scheute auch den Konflikt nicht. Selbst eine Drohung des Papstes, wenn er seine Lehren nicht zurücknähme, würde er aus der Kirche verbannt und alle seine Schriften verbrannt werden, beantwortete er damit, dass er die Drohung selbst verbrannte.

Immer mehr eskalierte der Streit. Sogar vor dem Kaiser persönlich sollte er erscheinen. Endlich seine Lehren widerrufen. Doch obwohl er wusste, dass es jetzt sogar um sein Leben ging, war er nur dann zu einem Widerruf bereit, wenn seine Lehren durch die Bibel selbst widerlegt werden könnten, die er als einzigen Maßstab anerkannte. Was niemandem gelang. Also widerrief Luther auch keine einzige seiner Lehren.

 

Dies alles konnten Isa und die Kinder in kleinen Theaterstücken an den drei KiBiWo-Nachmittagen erleben. Begleitet von der Band wurden begeistert Lieder gesungen. Und auch im Gemeindehaus gab es jeden Tag eine Menge zu entdecken. Beim Spielen waren Geschicklichkeit und Ausdauer gefragt (Auch für die Mitarbeiter). In der Bastelgruppe konnten sich die Mitarbeiter immer wieder von der Kreativität und den handwerklichen Fertigkeiten der Kinder überzeugen. Jeder konnte sich sein eigenes Papier schöpfen, einen Ball filzen, ein Steckenpferd basteln und Papier batiken. Außerdem bestand für jeden die Möglichkeit eine Kerze zu tropfen. Der bei den Theatertstücken erlebte Ausschnitt aus dem Leben Martin Luthers wurde in der Vertiefungsgruppe nochmals aufgegriffen. Ob mit einer Angstgeschichte vom Fischersohn Malak, der sich vor dem Wasser fürchtet, oder beim Vier-Ecken-Spiel, bei dem man sich für eine von vier Aussagen entscheiden und dazu stehen musste. Sogar die bohrenden Fragen eines herbeigeeilten Reporters galt es zu bestehen.

Die Entführung Luthers stand am Ende der KiBiWo-Nachmittage und so war die bange Frage vieler Kinder: “Was ist denn mit Luther passiert?” Am Sonntag durfte dies die gesamte Gemeinde erfahren. Während des Abschlussgottesdienstes tauchte Martin Luther als Junker Jörg wieder auf, wie er auf der Wartburg die Bibel übersetzte. Da war auch Isa wieder erleichtert, die sich schon solche Sorgen um Martin Luther gemacht hatte.

 

Bei einer Ausstellung mit allen Basteleien, Kaffee und zahlreichen Kuchen, welche die Eltern der KiBiWo-Kinder gebacken hatten, wurde Abschied gefeiert. Auch die eine oder andere Träne wurde vergossen. Für viele war es die letzte KiBiWo. Sei es, weil man Grafenau verlässt oder mit zwölf Jahren die Altersgrenze erreicht ist (Als Teilnehmer; vielleicht haben einige Lust als Mitarbeiter anzufangen…). Eines dürfen wir uns auf allen Wegen gewiss sein, wohin sie auch führen:

 

Unter dem Schirm des Höchsten, da bin ich geborgen Tag und Nacht.